Zentrale Themen

Traumatisierung durch die Schrecken des Krieges

Der Roman stellt eindringlich die Schrecken des Krieges dar. Im Westen nichts Neueszeichnet das weitestgehend realistische Bild eines durch die Erfindung chemischer Waffen(Giftgas) und den Einsatz moderner Artillerieund Maschinengewehre gekennzeichneten Stellungskrieges. Eindrucksvoll beschreibt Remarque den grausamen Kampf an der Front, die leichenbedeckten Schlachtfelder, das elende Leben in den Schützengräben und den blutigen Alltag im Lazarett.

Diese Schrecken wirken sich desillusionierend auf die Psyche der Soldaten aus: Ständige Angriffe und Gegenangriffe reiben ihre Nerven auf, nie verlässt sie ihre Angst. Ständig von Hunger und Durst gequält, vegetieren sie unter unmenschlichen Bedingungen dahin, verlieren alle ihre Ideale und verwandeln sich zusehends in panische Tiere, nur noch darauf aus, ihre primitivsten Bedürfnisse zu befriedigen. Selbst die Überlebenden, weit davon entfernt, ihre grausamen Erlebnisse verarbeiten zu können, werden wohl (dies vermutet Paul Bäumer) letztlich vom Kriege zerstört bleiben und, wie Paul Bäumers deprimierender Heimaturlaub andeutet, nicht mehr ins normale, zivile Leben zurückfinden können. Damit umschreibt Remarque, der sein nach dem Krieg erworbenes Wissen seiner Figur Paul Bäumer in den Mund legt, das Syndrom, das heute Posttraumatische Belastungsstörung genannt wird.

Der Topos der „verlorenen Generation“

Im Vorwort oder Motto des Buchs wird als Thema vorgegeben, „über eine Generation zu berichten, die vom Kriege zerstört wurde – auch wenn sie seinen Granaten entkam“. Es geht um die Generation, die von der Schulbank weg in den Krieg geschickt wurde. Den von Gertrude Stein geprägten Begriff „Lost Generation“ hat Remarque einem in den USA entstandenen Diskurs entnommen.

Anlässlich eines Briefes Kantoreks erinnert sich Paul, wie jener die ganze Klasse für den Kriegsdienst begeistert hat (S. 15–18). Kantorek und die anderen Lehrer „sollten uns Achtzehnjährigen Vermittler und Führer zur Welt des Erwachsenseins werden“; doch der erste Tote zerstörte die von ihnen vermittelte Weltanschauung und die Annahme, sie besäßen größere Einsicht als die Schüler. „Wir waren plötzlich auf furchtbare Weise allein; – und wir mußten allein damit fertig werden.“ Zu Beginn des 2. Kapitels (S. 23) denkt Paul über die besondere Lage seiner Generation nach: „Die älteren Leute sind alle fest mit dem Früheren verbunden, sie haben Grund, sie haben Frauen, Kinder, Beruf und Interessen. […] Wir waren noch nicht eingewurzelt. Der Krieg hat uns weggeschwemmt.“ Im 6. Kapitel (S. 111) wird berichtet, wie Paul nach einem Nahkampf der Kompanie allein in der Nacht auf Posten ist und sich an die Landschaften seiner Jugend erinnert, die ihm vielleicht für immer fremd bleiben werden: „Wir sind verlassen wie Kinder und erfahren wie alte Leute, wir sind roh und traurig und oberflächlich – ich glaube, wir sind verloren.“

Einige Biografen Remarques sehen in Paul Bäumers These, wonach Angehörige der „verlorenen Generation“ für das Leben nach dem Krieg verdorben worden seien, einen Hauptgrund für den Erfolg des Romans: Jeder, der nach dem Krieg im Berufs- oder Privatleben gescheitert sei, habe sich auf diese „Diagnose“ in Remarques Roman berufen können. Dabei beweist Remarques Biografie das Gegenteil: Auch und gerade das Niederschreiben des Satzes: „ich glaube, wir sind verloren“ machte Remarque paradoxerweise zum Erfolgsautor und Multimillionär.

Der Mythos der Kameradschaft

In der gedruckten Endfassung des Romans wird die Kameradschaft zwischen den Soldaten als „das Wichtigste“ bewertet: „Das Wichtigste aber war, daß in uns ein festes, praktisches Zusammengehörigkeitgefühl erwachte, das sich im Felde dann zum Besten steigerte, was der Krieg hervorbrachte: zur Kameradschaft!“ (S. 29). Insbesondere Katczinski „ist nicht zu entbehren“ (S. 37). Es ist nur folgerichtig, dass die Kameraden Paul über seine schlimmste Krise hinweghelfen, nämlich das Erlebnis, mit einem von ihm selbst schwer verletzten, zunächst sterbenden und später toten Franzosen zusammen lange Zeit in einem Trichter verbringen zu müssen (S. 185–202).

In der lange Zeit unveröffentlichten Typoskriptfassung des Romans wird hingegen Bäumer nach seiner Rückkehr aus dem Trichter noch von seinen „Kameraden“ mit seiner Schuld allein gelassen. In dieser Fassung ist die Vereinzelung des Individuums im Krieg noch ein Teilaspekt des Verlorenseins (S. 449f.). In Remarques Roman Der Weg zurück (1930) zeigt sich, dass die (Front-)Kameradschaft völlig untauglich für die zivile Nachkriegsgesellschaft ist.

Angesichts der Tatsache, dass es während der Weimarer Republik in Deutschland 29.000 lokale Kriegervereine gab, die intensiv die Kameradschaft und den „Mythos des Frontkämpfertums“ pflegten, schien es offenbar dem Propyläen Verlag nicht opportun, einen Text zu veröffentlichen, in dem die Kameradschaft offen in Frage gestellt wurde. Indem das Online-Lexikon „wissen.de“ behauptet, dass die Druckfassung geeignet gewesen sei, den Mythos der Kameradschaft „durch eine desillusionierende Schilderung des Kriegsalltags“ zu zerstören, stellt es den Erfolg der Bemühungen des Verlags in Frage. Auch Dieter Wunderlich betont, dass Erich Maria Remarque in seinem Roman die Kameradschaft eben nicht „gepriesen“ habe, sondern entsprechenden Preisungen durch Ernst Jünger und andere „rechte“ Autoren etwas habe entgegensetzen wollen.

Andererseits stellte der „Spiegel“ 1952 fest: „Noch in den ‚Drei Kameraden‘, die 1936 erschienen, flüchtet sich das Titeltrio aus dem Leben, das es nicht verstehen kann oder will, auf die Insel einer edlen Kumpanei. Zwanzig Jahre nach dem Kriegsende ist das Leben für Remarque Fortsetzung der Kriegskameradschaft mit anderen Mitteln, und heute noch gebraucht er zu fortgeschrittener Stunde gegenüber Gästen als Lieblingsanrede das Wort ‚Kamerad‘.“

Weitere Orientierungspunkte und Wertmaßstäbe

Eine große Geborgenheit findet der Erzähler in der Erde, die er wie einen Freund, einen Bruder, eine Mutter verehrt (S. 52f.).

Berührungspunkte zur Lebensphilosophieweisen (v. a. auch im letzten Kapitel) Pauls Gedanken darüber auf, ob „das Leben“ sich nicht gegen alle Hoffnungslosigkeit und Zerstörung durchsetzen wird („das Weiche, das unser Blut unruhig machte, das Ungewisse, Bestürzende, Kommende, die tausend Gesichter der Zukunft, die Melodie aus Träumen und Büchern, das Rauschen und die Ahnung der Frauen“, S. 258).

Im 6. Kapitel sagt er zur Zufälligkeit der Granateneinschläge: „Dieser Zufall ist es, der uns gleichgültig macht … Jeder Soldat bleibt nur durch tausend Zufälle am Leben. Und jeder Soldat glaubt und vertraut dem Zufall.“ (S. 92)

Von Gebet an der Front wird nichts berichtet. Offenbar ist dies für den Protagonisten nicht von Bedeutung. Auch Gott als Autorität kommt nicht vor – er wird nur einmal beim Namen genannt, und das auch nur floskelhaft: „Ach Gott, was ist mir schon heilig; - so was wechselt ja schnell bei uns.“ (S. 163)

Vergebliche Hoffnung auf Rettung

Die Handlung des Romans folgt der Logik einer Tragödie: Von den anfangs sieben Kameraden Paul Bäumers fällt einer nach dem anderen als Kampfgefährte aus: Kemmerich, Westhus, Kropp, Detering, Müller, Leer und zuletzt Kat. Da Paul Bäumer am Schluss seine Kameraden als Kraftquelle fehlen, ist es logisch (eine Art „dramaturgische Notwendigkeit“), dass auch er stirbt. Nur Tjaden (aber auch das wird in dem Roman nicht ausdrücklich festgestellt) überlebt den Krieg.